Entstehung

Wallander goes Opera

Im Juli 2016 bringt die Eberhard Karls Universität Tübingen gemeinsam mit mehreren Partnern die Geschichte des beliebten Kommissars Kurt Wallander als Oper auf die Bühne. Die Figur basiert auf den weltweit bekannten Kriminalromanen des schwedischen Autors Henning Mankell. An dessen letztes Buch knüpft die Oper „W – The Truth Beyond“ an und erzählt die Geschichte von Kurt Wallander mit neuem Material weiter.

Die ursprüngliche Idee zur Umsetzung stammt von Philipp Amelung, Universitätsmusikdirektor und Leiter des Collegium Musicum, der in den beiden schwedischen Kreativen Klas Abrahamsson (Libretto) und Fredrik Sixten (Komposition) zwei begeisterte Mitstreiter für sein ambitioniertes Projekt fand. Für die Inszenierung konnte die erfahrene Regisseurin Julia Riegel gewonnen werden. Henning Mankell, der Schöpfer der Krimi-Reihe, sprach vor seinem Tod im vergangenen Jahr noch seinen Segen für die Verwirklichung der Oper aus.

Unterstützung erhalten Amelung und sein Team nicht nur von den beiden Städten Tübingen und Ystad, in denen die Oper jeweils aufgeführt wird, sondern auch vom Landestheater Tübingen und unterschiedlichen Fachbereichen der Universität Tübingen. Diese arbeiten interdisziplinär an der Umsetzung des Projektes mit; darunter die Germanistik, die Medienwissenschaft, die Musikwissenschaft und die Skandinavistik. Das Tübinger Zentrum für Medienkompetenz und die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart sind ebenfalls ins Projekt eingebunden.

Die Master-Studierenden der Medienwissenschaft entwickeln in einem Lehrforschungsprojekt, das theoretische und berufspraktische Ansätze verbindet, in enger Abstimmung mit der Regisseurin Julia Riegel filmische Elemente für die Bühneninszenierung. In Kooperation mit dem Regie-Team sowie dem Tübinger Collegium Musicum und der Philharmonie Reutlingen begleiten und dokumentieren die Studierenden außerdem die Frühphase des Produktionsprozesses, erarbeiten ein PR-Konzept, entwerfen die Event-Webseite und erstellen Inhalte für die Bewerbung des ungewöhnlichen Theaterereignisses. In einem weiteren Seminar produzieren die Studierenden eine Webreportage rund um die Entstehung des Opern-Projekts.

Bachelor- und Master-Studierende der Musikwissenschaft übernehmen in mehreren praxisnahen und zugleich theoretisch reflektierten Lehrveranstaltungen die Produktionsdramaturgie des Projekts. Dabei begleiten sie kritisch den szenischen Probenprozess, erstellen Konzept und Texte des Programmbuchs, übersetzen das Libretto und entwickeln deutsche Übertitel, die sie auch für die Inspizienz in den Noten einrichten und während der Aufführungen selbst betreuen. Basis dafür sind die Analysen und Interpretationen aus einem interdisziplinären Hauptseminar (gemeinsam mit Studierenden der Germanistik und Skandinavistik), das sich u.a. dem Stoff, dem Libretto, der Partitur und dem Inszenierungskonzept widmete.

Medienwechsel

Die Geschichte der Künste ist seit Jahrhunderten geprägt durch vielfältige Formen des Medienwechsels, der sich häufig auch auf die Erzählweise und die Gestaltung der Einzelmedien auswirkt. Durch den aufgrund der Digitalisierung dynamisierten Medienwandel, der in dem Fach Medienwissenschaft unter dem Begriff Medienkonvergenz diskutiert wird, hat sich das Spektrum der Möglichkeiten an Medientransformationen stark erweitert. Darüber hinaus ermöglicht das Internet eine weltweite Kommunikation von Medienformaten, die auf diese Weise – so wie gegenwärtig die Oper im Kino – neue Zielgruppen erreichen.

Wie verändern sich Literatur, Theater, Tanz, Bildende Kunst und Film angesichts dieses Medienwandels? Die Oper „W – The Truth Beyond“ basiert auf Romanen, die vielfach verfilmt worden sind. Auf den Bühnen in Tübingen und Ystad treffen also das Musiktheater, die Literatur und der Film aufeinander. Auf diese Weise entsteht eine neue Form der Kriminaloper, die aus einer intensiven Reflexion der Medien und der Künste entstanden ist und Zuschauer aus den unterschiedlichsten Bereichen anspricht: Fans der Wallander-Reihe, Liebhaber der Oper und Freunde zeitgenössischer Kunstmusik gleichermaßen.

Zudem befindet sich auch die Geschichte am Puls der Zeit und offeriert dem Publikum ein breites Spektrum an Themen: Transsexualität, Demenz, verworrene Beziehungsgeflechte und eine gescheiterte Liebe stehen im Mittelpunkt von Wallanders neuem, alten Fall, von dem er eigentlich glaubte, er hätte ihn schon längst hinter sich gelassen.